TV: Morgen hör‘ ich auf

TV: Morgen hör‘ ich auf

Ein Mann sieht keinen Ausweg mehr – und das Drama nimmt seinen Lauf: Comedian Bastian Pastewka spielt in der neuen ZDF-Miniserie „Morgen hör‘ ich auf“ einen finanziell gebeutelten Familienvater, der in kriminelle Machenschaften abrutscht. Klingt verdächtig nach „Breaking Bad“, aber der Vergleich ist des Guten zuviel.

Bastian Pastewka spielt Jochen Lehmann, der gerade dabei ist, die vom Schwiegervater übernommene Druckerei im hessischen Bad Nauheim gegen die Wand zu fahren. Die Geschäfte laufen schlecht, die Kunden bleiben aus, Lehmann kann seine Rechnungen nicht mehr bezahlen und die Kinder nicht mal mehr auf Klassenfahrt schicken. Eigentlich hätte er längst Insolvenz anmelden müssen. Stattdessen wählt er einen kreativeren Weg: Lehmann beginnt, Fünfzig-Euro-Scheine zu drucken und im anonymen Frankfurt unters Volk zu bringen. Klar, dass er dabei schnell mit der Unterwelt in Berührung kommt.

Im Laufe der Serie trifft Lehmann auf immer skrupellosere Figuren. Die Bösewichte sind dabei oft nah an der Karikatur: der Schmierlappen Rolf „The Wolf“ (Torben Liebrecht“, der mit Lehmanns Ehefrau (Susanne Wolff) in die Kiste steigt; der arschige Bankangestellte mit Bärchentasse, der Lehmann den nötigen Kredit verweigert (Jan Pohl), ein Rentner, der Jochens Sohn (Moritz Jahn) erpresst, nachdem dieser ihm alkoholisiert mit einem Mofa ins Auto krachte. Die einzig Rechtschaffende, die Goody Two-Shoes der Serie, scheint Lehmanns Tochter (Katharina Kron) zu sein – und gerade mit der Klassenfahrt, die sich Papa Lehmann nicht leisten kann, beginnt das ganze Unheil.

Ein braver Familienvater auf kriminellen Abwegen? Klar, dass sich da der Vergleich zu „Breaking Bad“ aufdrängt. Ein unfairer Vergleich, bei dem man nur verlieren kann, schließlich gilt „Breaking Bad“ als eine – wenn nicht die – beste Serie aller Zeiten. Als eine Serie, die Maßstäbe gesetzt hat. Schuld an dem unnützen Vergleich ist aber das ZDF selbst, da Programmchef Norbert Himmler auf einer Pressekonferenz vor zwei Jahren eben diesen höchstpersönlich anstellte. Man wolle ein „deutsches Breaking Bad“ produzieren, blies er sich auf. Zum Ärger der Crew. Laut einem Bericht des „Spiegels“ bot Pastewka sogar seinen Rücktritt an, nachdem er in diversen Medien als der deutsche Walter White gehandelt wurde. Er konnte zum Glück umgestimmt werden – und seither vermeidet man von offizieller Seite derlei Vergleiche.

Lässt man sich von dem Vergleich nicht in die Irre führen, ignoriert man das amerikanische „Vorbild“, dann ist „Morgen hör‘ ich auf“ für sich genommen ein gelungenes TV-Experiment. Kommt ja selten vor im deutschen Fernsehen. Die Dialoge sitzen, das Timing ist stimmig und Regisseur Martin Eigler schafft es, eine Indie-US-Serien-Optik auf den Bildschirm zu zaubern.

Vor allem aber liegt es an Bastian Pastewka. Wer könnte besser darstellen, dass die guten Jungs zu allem fähig sind als der ewige Sympath Bastian Pastewka? Gerade das macht die Serie so sehenswert. Für den Comedian bedeutet die Rolle einen Wechsel ins ernste Fach. Und den meistert er überzeugend. Klar, am Anfang fällt es dem Zuschauer schwer, in Pastekwa nicht Pastewka (die Figur aus der gleichnamigen Serie) zu sehen – zumal auch „Morgen hör‘ ich auf“ nicht frei von Humor ist – sondern eben den tragischen Lehnmann. Dieser geistige Transfer gelingt aber schon innerhalb der ersten Episode. Noch eine Parallele zu „Breaking Bad“: Auch Bryan Cranston schaffte den Sprung vom Sitcom-Darsteller ins ernste Genre.

Die erste Episode wollten rund 4,5 Millionen Menschen sehen.

Ausstrahlung: Ab 2. Januar, samstags, 21.45 Uhr. Die Folgen gibt’s auch in der ZDF-Mediathek.