The List: Melanie Raabe & NEON GHOSTS wählen die besten Bücher 2015

Mel Raabe (foto: christian faustus)
Mel Raabe (foto: christian faustus)

Bevor wir ins Jahr 2016 umblättern, ziehen das NEON-GHOSTS-Team und Krimi Autorin Melanie Raabe, die uns in diesem Jahr mit ihrem Psychothriller „Die Falle“ begeisterte, Bilanz – und wählen die besten Bücher 2015.

My Soundtrack: Melanie Raabe

Melanie Raabe

Zehn Bücher soll ich aussuchen? Für das ganze Jahr 2015? Nur zehn? Mal ganz im Ernst: Es gab irre viele gute Bücher 2015. Meine Auswahl ist vollkommen subjektiv – und hätte ich sie morgen aufgeschrieben statt heute, wäre sie wahrscheinlich schon wieder ganz anders ausgefallen. Wie auch immer: Hier sind zehn der Bücher, die ich 2015 sehr gerne gelesen habe.

palmer1. Amanda Palmer – The Art of Asking

Rockstar Amanda Palmer lehrt uns in ihrem Werk, das sich irgendwo zwischen Autobiographie und Self-Help-Book bewegt – was grausig klingt und großartig ist – eine Menge über Kunst und Kommerz, über Musiker und ganz normale Menschen und darüber, warum es verdammt noch mal so schwer ist, andere um Hilfe zu bitten. Und wie es geht. Und warum man es ab und zu tun sollte. Ein wundervolles Buch, gespickt mit gefühlt einer Milliarde großartiger Anekdoten aus Palmers Rockstarleben, geschrieben mit fühlbarer Liebe und enormer Chuzpe.

fritsch

2. Valerie Fritsch – Winters Garten

Die Apokalypse ist da – und Autorin Valerie Fritsch beschreibt sie in einer unglaublich kraftvollen, ihr gänzlich eigenen Sprache. Ein seltsamer, wunderschöner Roman. Ein Buch wie ein Einhorn.

sibylle

3. Sibylle Berg – Der Tag, als meine Frau einen Mann fand

Was mich betrifft, kann die unvergleichliche Frau Berg ohnehin nichts falsch machen. Ich liebe alles an ihr, ihre Bücher, ihre Kolumnen, ihren Twitter-Account. „Der Tag, als meine Frau einen Mann fand“ ist ein fantastisches, ein böses, ein lustiges, ein herzzerreißend trauriges Buch, das Liebe, Romantik und den ganzen schönen Scheiß so richtig auseinandernimmt. Das Gegengift für jede einzelne romantische Komödie, die Jennifer Aniston je gedreht hat.

eleanor

4. Eleanor Catton – Die Gestirne

Eleanor Cattons Roman „Die Gestirne“ spielt in einer neuseeländischen Goldgräberstadt im 19. Jahrhundert. Im Grunde kann man dieses Buch als Krimi lesen, denn im Zentrum der Geschichte steht ein Verbrechen. Doch der Roman der jüngsten Booker-Preisträgerin aller Zeiten besticht vor allem durch die tolle, an den klassischen viktorianischen Roman angelegte Sprache und durch seine schillernden Figuren. Ein Gold- und Opiumrausch auf über tausend Seiten.

barmherzige fallbeil

5. Fred Vargas – Das barmherzige Fallbeil

Fred Vargas schreibt die skurrilsten, spannendsten und – ja – besten Krimis der Welt. Finde ich. Der neueste Fall um ihren berühmten Pariser Kommissar Adamsberg ist erneut grandios. Aber eigentlich ist es vollkommen egal, welches Buch der Französin man liest. Sie sind alle fantastisch.

panthertage

6. Sarah Elise Bischof – Panthertage – Mein Leben mit Epilepsie

Sarah Elise Bischof hat Epilepsie. Über ihr Leben mit der Krankheit – und ganz grundsätzlich auch einfach über ihr Leben – schreibt sie so spannend, so authentisch, so charmant, dass man ganz verblüfft ist, sich fantastisch unterhalten fühlt – und erst hinterher merkt, wie viel man gerade gelernt hat.

bokowski

7. Paul Bokowski – Alleine ist man weniger zusammen

Paul Bokowskis Geschichten liest man im Idealfall nicht, sondern man hört sie aus dem Mund des Autors. Ich habe bei Pauls Lesung Lachtränen produziert, so groß wie Hustendrops. Und mir natürlich gleich vor Ort ein Buch gekauft. Die Geschichten des Berliner Stadtneurotikers sind gut beobachtet, fein gezeichnet, liebevoll boshaft und schlicht zum Kaputtlachen.

vea

8. Vea Kaiser – Makarionissi oder Die Insel der Seligen

Der zweite Roman der Österreicherin Vea Kaiser nach ihrem Bestseller „Blasmusikpop“ ist ein wundervolles Märchen. Eine Familiengeschichte, eine Liebesgeschichte. Tragisch, komisch, eigen. Toll!

thegirl

9. Paula Hawkins – The Girl On the Train

Es war einer der größten Bestseller des Jahres. Dabei passt der Hype gar nicht zum Buch. „Girl On the Train“ ist nämlich gar kein lauter, reißerischer Fetzer, sondern ein leiser, cleverer, psychologischer Thriller, der sich vorsichtig anschleicht, dann aber umso fester zupackt.

setz

10. Clemens J. Setz – Die Stunde zwischen Frau und Gitarre

Clemens J. Setz ist die vermutlich coolste Person im Literaturbetrieb. Seine Verlagsbiografie liest sich – in Auszügen – so: „Studium der Mathematik und Germanistik in Graz; Obertonsänger und Gelegenheitszauberer.“ Ich glaube nicht, dass das mit dem Obertonsänger und Gelegenheitszauberer ein Scherz ist, denn Setz schreibt genauso großartig und irre, wie die Kombi Schriftsteller/Mathematiker/Sänger/Zauberer klingt. Seinen Wälzer „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“, ein riesengroßes Werk über Liebe und Hass, Miteinander und Gegeneinander liest man nicht mal einfach so weg. Aber es lohnt sich, sich auf das sprachliche und strukturelle Experiment einzulassen.

 

Benjamin Fiege

Benjamin Fiege (foto: privat)

Benjamin Fiege (foto: privat)

Wieder ein Jahr vorbei – und wieder plagt einen das schlechte Gewissen, dass man erneut viel weniger gelesen hat, als man eigentlich wollte und sollte. Aber na ja. Zeit der Vorsätze und so. 2016 wird alles anders, ich versprech’s. Eine Top Ten bekomme ich aber trotzdem zusammen.

hunter

1. Hunter S. Thompson – Die Odyssee eines Outlaw-Journalisten. Gonzo-Briefe 1958-1976

Durchgeknallt. Großmäulig. Unberechenbar. Aber doch irgendwie grandios. An Hunter S. Thompson scheiden sich die Geister. Douglas Brinkley hat aus einem riesigen Wust an Briefen des Journalisten eine Auswahl getroffen, die Thompson als Virtuosen der Selbstinszenierung zeigen. Aber: It’s not showing off if you can back it up.

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2. John Lydon – Anger is an Energy

Gut, man kann sich prinzipiell die Frage stellen, wieviele Autobiografien ein Mensch schreiben kann, ohne dabei in den Verdacht zu geraten, latent größenwahnsinnig zu sein. John Lydon ist offensichtlich der Meinung, dass es zwei durchaus sein dürfen. Minimum. Zurückhaltung war ja nun aber auch nie das Ding der Sex Pistols. Und: Ist ja auch durchaus interessant, was die Punk-Ikone, die den meisten wohl als Johnny Rotten ein Begriff sein dürfte, hier vorlegt. Auch wenn er dann und wann etwas abhebt und sich im Privaten verheddert.

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3. Stephen Witt – How Music Got Free

Der Journalist Stephen Witt erzählt – ausgehend von der Erfindung der MP3 – die chaotischen Jahre des World Wide Web zwischen 1996 und 2006 und verbindet dabei Technik- und Musikgeschichte. Interessanter Lesestoff, der die Frage aufwirft: Was wäre gewesen, wenn…

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4. Sarah Kuttner – 180° Meer

Sarah Kuttners Schreibe liegt mir einfach. Süffig, kann man in einem Stück durchlesen. Hier legt die Gute eine Road-Novel vor über das schwierige Verhältnis zu den eigenen Eltern und den Wunsch, Urlaub von sich selber machen zu können.

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5. Stephen King – Revival

Tja, was soll ich sagen? King ist mein guilty pleasure. Schon immer gewesen. Geht in „Revival“ um einen fanatischen Prediger und die Frage, ob Gott böse sein kann.

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6. Stephen King – Finderlohn

Ich werde mich dafür nicht entschuldigen. Fortsetzung von „Mr. Mercedes“.

Das Cover (foto: verlag)

7. Thees Uhlmann – Sophia, der Tod und ich

Nicht in jedem guten Songwriter steckt auch ein guter Autor. Das haben wir in den vergangenen Monaten häufig leidvoll erfahren müssen. Thees Uhlmann kann aber sowohl als auch. Das beweist er in diesem morbiden, zwischen zwei Buchdeckel gepressten Roadtrip.

bokowski

8. Paul Bokowski – Alleine ist man weniger zusammen

Das, was Frau Raabe sagt! Man nennt ihn nicht umsonst den Woody Allen der deutschen Literatur. Ist schon was dran.

niven

9. John Niven – Old School

John Niven gilt ja schon als der böse Bube der britischen Literatur. In seinem neuen Roman schickt er eine Gruppe älterer Damen nach einem Bankraub auf eine groteske Odyssee durch Frankreich. Anfang 2016 kommt übrigens die Verfilmung von „Kill your friends“ ins Kino.

reckless

10. Chrissie Hynde – Reckless

Chrissie Hynde, Frontfrau der Pretenders, wartet mit einer schonungslosen Autobiografie auf – voller ungezügelter Anekdoten. Sex, Drugs and Rock and Roll. Kann man kaum aus der Hand legen.