Neu im Plattenschrank: Oktober 2015

Neu im Plattenschrank: Oktober 2015

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Janet Jackson – Unbreakable

Label: Black Doll VÖ: 2015

Mit „Unbreakable“ kehrt Janet Jackson auf die Musik-Bühne zurück. Es ist das erste Album seit sieben Jahren, seit dem Tod ihres großen Bruders Michael und der Trennung von Jermaine Dupri. Welcome back, kann man da nur sagen. Nicht nur, dass die Gute optisch kaum gealtert scheint, nein, auch der Sound, den die gute Janet uns hier kredenzt, wirkt immer noch jugendlich und frisch. Muss man nach einer knapp 33-jährigen Karriere (mehr als 150 Millionen verkaufte Platten) auch erstmal so hinkriegen. „Unbreakable“ markiert für Jackson die Reunion mit den Produzenten Jimmy Jam und Terry Lewis. Ein Team, das sich in der Vergangenheit schon mehrfach in dieser Konstellation bewährt hat und zuletzt 2006 in dieser Form zusammen kam. Zu dritt wagen sie Ausflüge in Funk, elektronische Dance-Musik, R&B, Soul, streifen zwar ab und an Neunziger-Retro, dem Ganzen aber insgesamt ein modernes Gewand über. Hatte sich ja auch schon vorab auf dem Single-Remix von „No Sleeep“ (sic!) mit Rapper J. Cole angedeutet. Insgesamt kommt das gelungene Album sehr experimentierfreudig daher, aber auch reif, erwachsen. Liegt vielleicht auch den Themen, die Janet auf dem Longplayer – der diese Bezeichnung mit 17 Tracks auch durchaus verdient – verhandelt: ihre Kindheit und den Verlust ihres Bruders.

Fazit: Janets bestes Album seit „The Velvet Rope (1997).

Anspieltipps: Unbreakable, Burnitup! (mit Missy Elliott), No Sleeep

 

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John Grant – Grey Tickles, Black Pressure

Label: Bella Union/PIAS VÖ: 2015

„Grey Tickles, Black Pressure“ nennt sich das dritte Solo-Album des einstigen The-Czars-Frontmanns John Grant. Der Titel verrät’s: Wahnsinnig oft scheint die Sonne nicht durch die dunklen Wolken auf diesem neuen Silberling: „Grey Tickles“ ist die wörtliche Übersetzung von Midlife-Crisis aus dem Isländischen; „Black Pressure“ die wortwörtliche Bedeutung für Albtraum aus dem Türkischen. Und wem der Titel noch nicht verräterisch genug war, der konnte sich den gruseligen Trailer reinziehen, in dem Grant mit blutverschmiertem Gesicht und manischem Grinen auftritt. Grants Düsternis ist aber nie nur einfach düster, sondern meist schwarzhumorig. Auch diesmal. Auf den vorliegenden 14 Tracks nimmt uns Grant mit auf eine Tour de Force, geprägt von tiefverwurzelter Angst und Selbstzweifeln, von großer Liebe und süßen Träumereien – und bringt uns doch manchmal zum Schmunzeln. Etwa im Anti-Homphobie-Song „You and Him“, in dem Grant  Hitler und seinen homophoben Kumpel Pullover im Partnerlook stricken lässt. Musikalisch drückt sich Grant wieder in prachtvollen Balladen und dynamischem Elektro-Pop aus. Namhafte Unterstützung gibt’s dabei von Gastsängerinnen wie Amanda Palmer, Tracey Thorne oder der ehemaligen Banshee-Drummerin Budgie.

Fazit: Großartiger Songwriter-Pop. Grant hält sein hohes Niveau.

Anspieltipps: Grey Tickles, Black Pressure; You and Him,

 

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Hurts – Surrender

Label: Four Music/Sony VÖ: 2015

Fünf Jahre ist es her, da galten Theo Hutchcraft und Adam Anderson als großes Versprechen des Pop. Vor allem dank ihrer Single „Wonderful Life“, die den beiden einen kometenhaften Aufstieg bescherte. Das Debütalbum „Happiness“ war ein Riesenerfolg, auch „Exile“ (2013) was doing okay. Nun hauen die Briten also mit „Surrender“ ihren dritten Longplayer raus. Auf diesem verfolgen Hurts ihren Weg weiter. Mainstream-Pop, der im Synthie-Pop und Hitparadenmusik der Achtziger Jahre verhaftet ist. Der neue Longplayer, der in bewährter Zusammenarbeit mit dem schwedischen Produzenten Jonas Quant, sowie mit den neuen Studio-Partnern Stuart Price (Madonna, The Killers) und Ariel Rechstaid (Haim, Vampire Weekend) entstanden war, kommt zwar noch eine Ecke tanzbarer daher als die Vorgänger, allerdings (glücklicherweise) nicht ohne den düsteren Unterton aus. Mag an einer der Locations der Aufnahmen liegen: Los Angeles. Denn besonders der verblasste Glamour Hollywoods habe die Arbeit am Album beeinflusst. „Wir machten einige der Melodien in einem einsamen Haus in den Hollywood Hills“, erzählt Adam. „Am ersten Tag waren wir also da – das erste Mal in L.A., um Musik zu machen und es war aufregend. Pool, großartige Atmosphäre. Am nächsten Morgen wachten wir auf, weil Polizeihubscharuber das Haus umkreisten. Wir gingen auf die Straße. Irgendein Typ hatte erst seine Frau und dann einen Polizisten erschossen.“ Theo schüttelt den Kopf: „An dem Morgen wachten wir gejetlagged um 8 Uhr morgens auf und um 7 Uhr war es passiert. Das hat den Ton für unseren Aufenthalt dort gesetzt. Diese paradiesischen Orte; man hat Spaß, aber da ist auch eine groteske, finstere Seite. Künstlerisch ist das reizvoll, weil es wie eine Traumwelt ist. Wir beobachten nur, aus unserer eigenen Perspektive.“

Fazit: Überraschend optimistisch für Hurts-Verhältnisse.

Anspieltipps: Some Kind Of Heaven, Rolling Stone

 

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Son Little – Son Little

Label: Anti VÖ: 2015

Son Little aka Aaron Livingston hat in der Vergangenheit vor allem durch ein paar geniale Singles und nicht minder geniale Kollaborationen mit Mavis Staples oder The Roots auf sich aufmerksam gemacht. Nun haut der Gute endlich sein lang erwartetes Debütalbum raus. Wieder einer, der den R&B neu erfinden will, mag man meinen. Aber die Abwehrhaltung ist unnötig. Little lohnt sich. “This is soul music for the hip-hop generation” hatte GQ mal über Son Little gejubelt. Kann man so stehen lassen. Der Silberling ist aber auch eine ganze Ecke Americana-lastig geworden. Das verwundert nicht. Little wurde in Los Angeles geboren, lebte eine Zeit in New York und New Jersey, ging in Manhattan und Philadelphia zu Schule und verbrachte viel Zeit in Detroit. Little all over the map, und das hört man raus: Der Mann überschreitet Genre- wie Staatsgrenzen nach Belieben. Hier ein bisschen Blues, dort ein bisschen Gospel, da ein bisschen Soul, das Ganze aber mit einem ganz eigenen Spin.  “I hear places in the songs without trying to evoke them while writing. I can trace where a lot of my music came from, as my life and my family touch so many different places. I can hear Lake Charles, Louisiana in my voice, the way I say some of the words; I hear New York in my lyrics. Detroit is a place I haven’t spent a ton of time in, but if I explore the music of Detroit, I can hear myself in there, too.”

Fazit: Keep your eyes on Little!

Anspieltipps: Your Love Will Blow Me Away, Lay Down

 

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Kelvin Jones – Stop The Moment (Deluxe)

Label: Four Music/Sony VÖ: 2015

Kelvin Jones ist ein Internet-Phänomen. Ein Kumpel des 20-Jährigen aus Stevenage, London postete seinen Song »Call You Home« dereinst auf dem Internet-Portal reddit.com, wo er binnen 24 Stunden über eine Million Mal aufgerufen wurde. Die soulige Ballade avancierte binnen kürzester Zeit zum YouTube-Hit. Über Nacht rekrutierte Kelvin eine Armee von Followern — alle großen internationalen Plattenfirmen wollten ihn daraufhin unter Vertrag nehmen. Der ausgesprochene Fan von B.B. King, Buddy Guy, Tracy Chapman und John Mayer entschied sich für Four Music und nahm gemeinsam mit Band in Berlin sein Debütalbum »Stop The Moment« auf. Das ist relativ brav geraten und sich irgendwo zwischen Retro-Soul und Singer/Songwriter-Pop verorten. Kelvin singt soulvoll, die Melodien sind eingängig – und „Call You Home“ ist auch in Hochglanz-Produktion immer noch ein toller Song.

Fazit: Vielversprechend.

Anspieltipps: Call You Home, Follow You Down, As You Woke Up

 

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Gurrumul – The Gospel Album

Label: Skinnyfish Music VÖ: 2015

Gurrumul braucht nicht viel, um bei seinen Hörern Eindruck zu schinden. Eine Gitarre und seine wunderbare Tenor-Stimme, that’s it usually. Der von Geburt an blinde Sänger entstammt als Aborigine einer der wohl ältesten überlebenden Zivilisationen der Welt. Geboren 1970 auf Elcho Island, einer paradiesischen Insel im Norden Australiens, singt der gute Mann zumeist in seiner Muttersprache Yolngu. Das große musikalische Talent haben ihm die Geister seines Volkes als Ausgleich für das fehlende Augenlicht geschenkt, daran hegen seine Eltern und die ganze Familie keinen Zweifel. Und selbst Sting attestiert: „So kann nur die Stimme eines höheren Wesens klingen.“ Um eben solche geht es nun auch auf seinem neusten Album „The Gospel Album“, dem ersten Studioalbum Gurrumuls seit knapp vier Jahren. Und ja, über die Thematik darf man sich wundern. Wie kommt ein Aborigine zum Gospel? „Gurrumul wird als kleiner Junge nicht nur mit der traditionellen Musik seines Volkes vertraut gemacht. Er lauscht auch jeden Sonntag dem Gospel-Gottesdienst in der örtlichen Methodisten-Kirche. Diese geistlichen Gesänge eroberten schnell auch die Herzen der Aborigine, passten sie mit ihren Rhythmen und großformatigen Chören doch wunderbar in deren musikalische Konzepte und den im Volk der Gumatj gängigen Gruppengesang“, erklärt Gurrumuls Bassist Michael Hohnen, „beides hat Gurrumul bleibend geprägt. Was also lag näher, als die Gospelstücke für Gurrumul zu adaptieren?“ Glanzlicht des Albums ist sicher „Amazing Grace“, aber auch die coole Hymne „Jesu“ bleibt haften.

Fazit: Überzeugend, emotional.

Anspieltipps: Jesu, Amazing Grace

 

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Clara Luzia – Here’s To Nemesis

Label: Asinella Records VÖ: 2015

Rache-Engel aus Österreich: Clara Luzia ist mit neuem, leicht angepisst wirkendem Album zurück. Stripped down to Bass, Schlagzeug, Keys, Gitarre. Grund genug, angepisst zu sein, gibt es ja: Wir haben die 7-Milliarden-Menschen-Marke überschritten, pseudoreligiös unterfütterte Abstrusitäten bieten Orientierungslosen neuen Halt, die Festung Europa verteidigt mit Zähnen und Klauen ihren Wohl­stand, und Umwelt und Tiere siechen dank der bodenlosen Gier des Menschen vor sich hin. Bislang kannte man die Gute ja vor allem durch ihr Nina-Simone-Cover „Sinnerman“, das als Titelstück des Alpin-Westerns „Das finstere Tal“ verwendet wurde. An das Thema dieses Films knüpft Luzia nun mit „Here’s To Nemesis“, einer gelungenen Indie-Mischung, an: die Rache. Die Texte sind codierte Erzählungen über die Suche nach dem richtigen Leben im falschen: Wer sie verstehen will, kann sie leicht entschlüsseln. Wer mag, wird auch in der der herbsten Kapitalismuskritik ein softes Liebeslied hören. Warum auch nicht. Sind die Lieder einmal ins Außen entlassen, hat die Verfasserin kein Deutungsmonopol mehr.

Fazit: Überzeugend.

Anspieltipps: The Drugs Do Work, Frowned Upon, Fat Yellow Moon

 

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Jess Glynne – I Cry When I Laugh

Label: Warner VÖ: 2015

Jess Glynne kennt man hierzulande vor allem als die soulige Stimme, die den Clean-Bandit-Hits „Rather Be“ und „Real Love“ das gewisse Etwas verlieh. War offenbar der Startschuss zu einer vielversprechenden Karriere: Ihre kurz darauf erschienene Single „Hold My Hand“ biss sich gleich mal drei Wochen an der Spitze der UK-Charts fest. Nun also das heiß ersehnte Debütalbum, das den bittersüßen Titel „I Cry When I Laugh“ trägt. Bezieht sich dem Vernehmen nach auf den Tag, an dem die Londoner Singer/Songwriterin ihren Plattenvertrag unterschrieb. Da hatte sie einerseits Schwarz auf Weiß die Bestätigung in der Hand, dass sie es musikalisch zu etwas gebracht hat, auf der anderen Seite aber lag ihr Privatleben in Trümmern. „I Cry When I Laugh“ ist also ein Trennungsalbum. Und da ist natürlich das Klavier das Instrument der Wahl. Glynnes Stimme ist kraftvoll und soulig, was dem Album einen Gospel-Vibe verleiht. Gospel minus Jesus sozusagen. Die Dame hat Talent, das steht außer Frage, ein bisschen weniger klischeebeladenes Songwriting und eine zurückhaltendere Produktion hätten dem Album aber gut getan. Gaststars auf dem Album: Clean Bandit, Emeli Sandé, Tinie Tempah.

Fazit: Fantastische Sängerin, durchschnittliche Songwriterin.

Anspieltipps: Hold My Hand, Rather Be, Saddest Vanilla

 

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Die Prinzen – Eine Nacht in der Oper

Label: Sony VÖ: 2015

Ja, doch, man kann sagen, dass die Prinzen das erste popkulturelle Phänomen des wiedervereinigten Deutschlands waren. Eine Band, auf die man sich in Ost und West einigen konnte. Und klar, man ist stolz darauf in ihrer Heimatstadt. Und so verwundert es nicht, dass die Prinzen, die mit „Familienalbum“ kürzlich ein gelungenes Comeback hinlegten, zum 1000-Jährigen der Stadt in die Leipziger Oper eingeladen wurden.Drei ausverkaufte Gigs spielte die Kapelle dort, die für die Nachwelt festgehalten wurden. Auf DVD, BluRay und Doppel-CD. Die Setlist ist dabei mehr als nur ein bloßes Best Of, vier neue Songs des aktuellen Top 10-Albums haben sich ins Programm gemischt. Auch die eine oder andere eher unbekannte Perle aus dem Backkatalog der Prinzen erlebt ihre Bühnenpremiere. Das Zusammenspiel mit Chor und Orchester ist bombig. Mit Xavier Naidoo und Andreas Bourani hat die Band überdies noch zwei Special Guests am Start.

Fazit: Macht Laune.

Anspieltipps: Alles mit’m Mund, Mann im Mond, Er steht im Regen

 

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Israel Nash – Israel Nash’s Silver Season

Label: Loose Music VÖ: 2015

Vor ein paar Jahren klang Israel Nash noch etwas bemüht. Der Südstaatenton, den er auf seinem überaus erfolgreichen Album „Israel Nash’s Rain Plans“ anschlug, wirkte irgendwie aufgesetzt. Das hat zum Glück ein Ende. Mag daran liegen, dass der Gute New York mittlerweile den Rücken gekehrt und seine Zelte in Dripping Springs, Texas aufgeschlagen hat. Und schon hört sich das Ganze nach der Art Musik an, der man abendlich auf seiner front porch lauschen kann, während man den Sonnenuntergang genießt. Mit dem Toningenieur Ted Young (der für Sonic Youth und Kurt Vile gearbeitet hat) Nash nun einen leicht psychedelisch-angehauchten Americana-Sound entwickelt, der sich auf wesentliche Aspekte seiner Musik beschränkt und sich weiter vom Country-Klischee distanziert. Hat dann und wann etwas von Neil Young.

Fazit: Ganz stark.

Anspieltipps: Willow, Lavendula, Strangers

 

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Ludovico Einaudi – Elements

Label: Decca VÖ: 2015

Ludovico Einaudi ist einer, der Klassik und Moderne miteinander vereint. Einaudi gehört zu den erfolgreichsten Komponisten klassischer Musik und ist der derzeit beliebteste Klassikmusiker der digitalen Musikwelt: Kein anderer klassischer Komponist und Musiker wird derzeit so häufig digital gestreamt wie er. Nun haut der Gute mit „Elements“ mal wieder ein neues Album raus. Das aus zwölf Teilen bestehende Machwerk umfasst viel Klavier, Streicher, Perkussion, Gitarre und elektronische Instrumente. Ähnlich wie bei früheren Werken des Komponisten handelt es sich um eine Suite, in der jeder Teil in einer genau kalibrierten Beziehung zu allen anderen steht. So ergibt sich ein opulenter Klang mit einer frischen Kombination aus akustischen, elektrischen und elektronischen Instrumenten. Eingespielt wurde „Elements“ im Laufe von drei Monaten in Einaudis Privatstudio in seinem Haus in der Langhe aufgenommen. Neben Francesco Arcuri, Marco Decimo, Mauro Durante, Alberto Fabris, Federico Mecozzi und Redi Hasa, die bereits frühere Werke des Komponisten eingespielt haben und zu so etwas wie Ludovicos Hausband geworden sind, präsentiert das Album das niederländische Streichquartett Amsterdam Sinfonietta, den Berliner Elektro-Künstler Robert Lippok, die Perkussionisten aus dem Auditorium Parco della Musica in Rom sowie den brasilianischen Perkussionisten Mauro Refosco. Der bekannte Starviolinist Daniel Hope ist auf dem Eröffnungs-Track Petricor zu hören.

Fazit: Großartig!

Anspieltipps: Gesamtkunstwerk.

 

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Jesse Malin – Outsiders

Label: One Little Indian/Rough Trade VÖ: 2015

Auf den ersten Blick scheint Jesse Malin wie der geborene Außenseiter. Sieht immer aus wie der rebellische School-Outlaw in Lederjacke, besingt diesen auch gerne, aber klar, er ist es nicht: Jesse Malin ist tatsächlich ein Winner-Typ, einer, der die Menschen in seinen Bann ziehen kann. Ein charismatischer Typ eben. „Outsiders“ zeigt Malin in seiner bisher rohsten Form, der den neuen Silberling wie folgt beschreibt: „A record built out of optimism and disgust – one for the leavers, the believers, the hustlers and the chicken hawks who could never catch us.“ Musikalisch klingt das dann so: Straighter Rock ’n‘ Roll, ab und an sogar etwas punky. Patti Smith klang mal so. Gern wird Malin auch mit Bruce Springsteen verglichen. Mit dem Boss hat Malin auf jeden Fall gemein, musikalisch das Leben und Leiden des kleinen amerikanischen Mannes zu feiern und zu bedauern sowie mit einer guten Mischung aus Optimismus und Problembewusstsein an die Arbeit zu gehen.

Fazit: Go big or go home? Malin goes big.

Anspieltipps: You Know It’s Dark When Atheists Start To Pray, All Bets Are Off

 

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Eivør – Slør

Label: Tutl VÖ: 2015

Fleißig, fleißig: Mit „Slør“ veröffentlicht die gute Eivør bereits ihr zweites Album in diesem Kalenderjahr. „Slør“ ist eine Sammlung neu komponierter Songs, die die Folk-Songwriterin in ihrer Muttersprache – färöisch – eingesungen hat, und der Nachfolger des englischsprachigen Albums „Bridges“. Wo letzteres leicht und vor allem sehnsüchtig war, klingt „Slør“ eher rau und reflektierter. „Bridges“ wurde von Freundschaft, Liebe und Heimweh inspiriert. „Slør“ hingegen gibt sich der Fernsucht hin, thematisiert Trennungen und die Suche nach Frieden. Zwei Alben, die sich ergänzen. Bei denen man gern mitträllern würde – so verführerisch ist der Klang-, wenn man nur den Text verstehen würde. Musikalisch ist die färöische Björk diesmal etwas roher unterwegs, mit viel Gitarre, die aber auch dann und wann auf etwas Elektronik trifft.

Fazit: Stürmisch.

Anspieltipps: Brotin, Røttu Skógvarnir, Silvitni

 

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The Garden – Haha

Label: Epitaph/Burger Records/Indigo VÖ: 2015

Mit den Schubladen ist das ja so eine Sache. In eine gesteckt zu werden, da stehen die meisten Künstler gar nicht drauf. Dazu kann man getrost das kalifornische Duo The Garden zählen. Die Zwillinge beschreiben ihren Sound selber als „Vada-Vada“ und sehen diesen als eine Möglichkeit pure Kreativität auszudrücken, während sie sich von allen zuvor da gewesenen Genres distanzieren. Auch auf die Gefahr hin, uns den ewigen Zorn der beiden zuzuziehen: Wir würden sie irgendwo zwischen Garage Rock und Punk verorten. „Mit „Haha“ haben die beiden Jungs nun ihr zweites Solo-Album veröffentlicht. Das klingt zwischenzeitlich sehr aufregend, vor allem auf den schnellen, simplen Tracks wie „Vexation“ oder „I’ll Stop By Tomorrow Night“. Und es gibt einen Hinweis darauf, warum sich die Band – vor allem an der amerikanischen Westküste – mittlerweile schon einen Kult-Status erworben hat.

Fazit: So klingt das moderne Kalifornien.

Anspieltipps: Vexation, I’ll Stop By Tomorrow Night

 

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Princess Century  – Progress

Label: Paper Bag Records VÖ: 2015

Maya Postepski darf man durchaus als Universaltalent bezeichnen. Postepski ist ein wichtiger Bestandteil der Musikszene Torontos, macht seit zehn Jahren Mucke, derzeit vor allem als Mitglied der Gruppe Austra. Überdies ist sie als Remixerin und DJ gefragt. Mit Robert Alfons hat sie „TRST“ mitgeschrieben und produziert. Mit Princess Century hat die Gute nun ein Solo-Projekt am Start und mit „Progress“ ein Album unter diesem Namen veröffentlicht. Wer mit der bisherigen Arbeit der Dame vertraut ist, den wird der Sound dieses Machwerks nicht großartig auf dem falschen Fuß erwischen: Neun dunkle, aber tanzbare Elektronica-Tracks bietet uns die Kanadieren hier an. Ein Ausflug in die Welt der  Cosmic-Disco-Psychedelia, „in der sich warme Synthesizer über dunkel verklebte, eisige, polyrhythmische Klanglandschaften legen“. So sagt’s der Waschzettel. Wir schließen uns dem Vorredner an.

Fazit: Passend zur Jahreszeit.

Anspieltipps: Bro vs UFOs, Sunscream

 

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Boysetsfire – Boysetsfire

Label: End Hits Records VÖ: 2015

Boysetsfire-Frontmann Nathan Gray ist ein gutes Beispiel dafür, dass man kein technisch perfekter Sänger sein muss, um Songs mit seiner Stimme zu veredeln. Im Gegenteil: Gerade das Zerbrechliche, leicht neben der Spur Liegende in den clean gesungenen Passagen ist ein unverkennbares Charakteristikum der Post-Hardcore-Veteranen. Auf dem selbstbetitelten sechsten Album – dem zweiten seit der Reunion 2010 – setzt die Band auf die bewährte Mischung aus melodischen Songs und wütenden Hardcore-Ausbrüchen. Anders als die stilistisch ähnlich gelagerten Rise Against haben sich Boysetsfire dabei eine gewisse Garstigkeit bewahrt. Immer wenn die Chose zu seicht zu werden droht, gibt’s rechtzeitig wieder was auf die Fresse. Passt. (Timo Leszinski)

Fazit: Auch im gesetzteren Alter noch ein Händchen für feine Melodien und ein Bauch voller Wut.

Anspieltipps: Cutting Room Floor, One Match

 

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Caspian – Dust and Disquiet

Label: VÖ: 2015

Die Postrocker von Caspian sind sicher keine Band, die angetreten ist, das Genre neu zu erfinden. Trotz des Einsatzes der bekannten Zutaten wie flächige, soundtrack-artige Klänge, bombastische Gitarrensound-Wände und dem weitgehenden Verzicht auf Gesang springen bei den US-Amerikanern nach dem tollen „Waking Season“ von 2012 auch diesmal wieder überzeugendere Songs heraus als beim Großteil der Konkurrenz. Das liegt zum einen daran, dass sich Caspian nicht in sich endlos wiederholenden, dahinplätschernden Parts verlieren, sondern vergleichsweise zügig auf den Punkt kommen. Zum anderen lassen es die Jungs glücklicherweise immer noch an den entscheidenden Stellen ordentlich krachen („Arcs of Command“!). Für genügend Abwechslung ist ebenfalls gesorgt: Beim akustischen „Run Dry“ wird sogar richtig gesungen. (Timo Leszinski)

Fazit: Gute Musik braucht (fast) keine Sänger

Anspieltipps: Rioseco, Arcs of Command

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Saintseneca – Such Things

Label: Anti/Indigo VÖ: 2015

2014 machte sich die Folk-Punk-Kapelle aus Ohio mit ihrem Album „Dark Arc“ einen Namen, auf dem sie allerlei exotische Instrumente ausprobierte. Nun kehren Saintseneca mit „Such Things“ zurück. Für ihr zweites Album für das Label Anti, ihrem insgesamt fünften, hat sich die Band ein wenig wegbewegt vom gradlinigen, cinemaskopischen Sound des Vorgänges. Das mag im Entstehungsprozess begründet sein, Singer-Songwriter und Multiinstrumentalist Zac Little verarbeitete diesmal auch die Ideen der übrigen Bandmitglieder.  Herausgekommen sind dabei ein paar verkopfte Stücke, aber auch Kleinode wie „Sleeper Hold“, ein catchy Rocksong, der Elemente aus Punk, Folk und einfachem Rock ’n’ Roll in sich vereint.

Fazit: Insgesamt gelungenes Follow-Up zu „Dark Arc“.

Anspieltipps: Sleeper Hold, River, Bad Ideas

 

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Lisa Bassenge – Canyon Songs

Label: Edel/MPS VÖ: 2015

In ihrer nun seit rund 20 Jahren andauernden Karriere hat Lisa Bassenge mit ihren Bands Micatone und Nylon, mit dem Lisa Bassenge Trio oder solo insgesamt 14 Alben veröffentlicht. Eine lange Zeit, in der sich die Berlinerin mit ihrer urbanen Mischung aus Jazz, Blues und Chanson den Status als eine der besten deutschen Sängerinnen erobert hat. Als Grand Dame des deutschen Jazz. Mit „Canyon Songs“ hat Bassenge ihrem umfangreichen Katalog nun das nächste Kapitel beigefügt. Erstmals wagt sich die Dame dabei aus ihrem lange vertrauten musikalischen Kontext heraus. Bassenge nahm die elf Songs in Los Angeles auf, am Mischpult saß Grammy-Preisträger Larry Klein. Nach all den Platten, die in der Heimat Berlin entstanden waren und bei denen die Sängerin in der Regel mitproduziert hatte, eine neue Location – und eine neue Arbeitsweise. Bassenge will das Album als eine  Art Verbeugung vor der Singer-Songwriter-Szene von Los Angeles verstanden wissen. Sie interpretiert Klassiker wie „Riders On The Storm“ von den Doors, „For What It’s Worth“ von Buffalo Springfield, „I Just Wasn’t Made For These Times“ von den Beach Boys, „The Same Situation“ von Joni Mitchell oder „Blue Skies“ von Tom Waits. Neben Stücken aus den 60er- und 70er-Jahren, der goldenen Ära der Laurel-Canyon-Künstler, hat Lisa Bassenge mit „Angeles“ von Elliott Smith auch ein Lied von 1997 im Repertoire. Insgesamt geht’s sehr entspannt zu, man könnte das Ganze ruhig Jazz-Folk nennen.

Fazit: Bassenge macht den Vorlagen alle Ehre. Und dann diese Stimme!

Anspieltipps: Riders On The Storm, All Stripped Down

 

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Rodgau Monotones – Genial

Label: Rodgau Mafia Records VÖ: 2015

Kommt mittlerweile immer seltener vor: Auf das Album „Genial“ der Rodgau Monotones wurde ich tatsächlich ganz old school übers Radio aufmerksam. War das letzte Mal bei Amy Winehouse und „Rehab“ der Fall. Ein Glückstreffer. Und gutes Timing. Die Hessen sind zurück. Sieben Jahre haben sich die Rodgau Monotones Zeit für ihr neues Album Zeit gelassen. Nach rund 38 Jahren im Geschäft kann man sich das auch mal leisten, in Ruhe an einem Longplayer zu werkeln.  Die lange Zeitspanne hat aber nicht dazu geführt, dass die Monotones von ihrem klassischen Sound abgewichen sind. Sie geben mal wieder Vollgas. Mit Blues, Boogie, hartem Rock, teils ganz hintersinnigen Texten. Und Energie und Spielfreude pur. Erfrischend old school eben.

Fazit: Haut rein.

Anspieltipps: Mama Lauder, Wie Geil ist Das Denn

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Sedlmeir – Melodien sind sein Leben

Label: Rookie Records VÖ: 2015

Kann Schlager intelligent sein? Philosophisch gar? Bei Henning Sedlmeir scheint das möglich. Der Wahlberliner schafft es, singend die Brücke von Heidegger zum Neoliberalismus zu schlagen, über politischen Katholizismus zu sinnieren, den Preis des Nichtwissens und Dekonstruktion musikalisch zu behandeln – und dabei unterhaltsam zu sein. Hard Schlager nennt das der Mann, der in den Neunzigern mit seinem Noise-Rockern Blind im Vorprogramm der Melvins spielte. Oder auch: Post-NDW, LoFi-R´n´R oder Punk. As you please. Die Zutaten sind auf jeden Fall: E-Gitarre, Retro-Future-Elektronik und schmutzige Chansons mit schlauen und klamaukig-dadaistischen Texten. Das wirkt alles sehr spinnert, aus der Zeit gefallen – und schon deshalb ebenso erfrischend wie genial. Schade, dass wohl wieder kaum jemand von diesem talentierten Songwriter Notiz nehmen wird. Bleibt ein Geheimtipp.

Fazit: Verdient Aufmerksamkeit.

Anspieltipps: Lied vom einfachen Mann, E.S. Seldmeir/Presley, Konrad-Weiss-Preis

 

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Thus Owls – Black Matter

Label: Secret City Records VÖ: 2015

Mit „Black Matter“ wollten Thus Owls mal ganz anders an die Sache ran gehen. Ein neuer Sound, neue Kollaborationen, ein neues Format (EP) – eine spannende Kiste für die Combo aus Montreal. So spannend und inspirierend, das am Ende doch beinahe ein neues Album zustande gekommen wäre. Am Ende hielt die Band aber an der ursprünglichen Idee „EP“ fest, zog die Reißleine und ließ es bei sechs Tracks bewenden. Und auf diesen lassen es Erika und Simon Angell eher langsam angehen. So langsam, dass die Platte wohl nicht für Jedermann geeignet ist. Wer’s aber eher düster und atmosphärisch mag, greift hier nicht daneben.

Fazit: Muss man mögen.

Anspieltipps: Asleep in the Water, Black Matter, Turn Up The Volumes

 

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Axl Makana – Mein Optimis-Tick

Label: Motor Music/H’art VÖ: 2015

Mit der Folk-Punk-Band Mutabor hat Axl Makana in einigen Regionen Deutschlands mittlerweile Kultstatus erreicht. Die Jubiläumstour 2013/14 zum 22-jährigen Bestehen der Band endete im Dezember im ausverkauften Yaam in Berlin.Seit 2006 ist Makana auch solo unterwegs, nun ist mit „Mein Optimis-Tick“ sein zweites Album erschienen. Hier trifft rustikale Gitarrenbegleitung auf leichtfüßige Body Percussion und elektronische Sound-Spielereien. Fingerschnipsend kombiniert Makana verschiedene Stilrichtungen wie Chanson, Polka, Rock, Bossa Nova oder Reggaeton. Die Lieder handeln dabei von persönlichen Bekenntnissen zu Lieblingsspeisen („Guacamole“), den virtuellen Parallelwelten des Internets 
(„Satisfaction gibt’s online“) oder Makanas notorischem Glauben an das Gute („Mein Optimis-Tick“). Hat was. Teils auch ganz witzig.

Fazit: Interessante Platte.

Anspieltipps: Satisfaction gibt’s Online, Guacamole

 

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The Lake Poets – The Lake Poets

Label: Dave Stewart Entertainment/Membran/Sony VÖ: 2015

Mit seinem Album „The Lake Poets“ knüpft Marty Longstaffs Projekt The Lake Poets an die gefeierte EP „Honest Hearts“ an. Der Sänger und Gitarrist hat das Ding dem Vernehmen nach in nur drei Tagen in Nashville eingespielt. Beinahe wäre es gar eine Doppel-CD geworden. Am Ende wurden es aber elf Tracks. Elf Tracks, die sehr reduziert daher kommen und der Stimme des britischen Singer-Songwriters genügend Raum lassen, um sich zu entfalten. Fast wäre es gar nicht dazu gekommen: Der ausgebildete Lehrer Longstaff war gerade auf der Arbeit, als Legende Dave Stewart ihn einlud, das Album aufzunehmen. Longstaff ignorierte die Mail der Eurythmics-Legende zunächst, weil er sie für einen Scherz hielt. Gut, dass er ihm letztlich wohl doch geantwortet hat. Stewart stellte dem jungen Musiker ein paar gute Studiomusiker zur Seite, die sich aber auffällig stark im Hintergrund halten. Longstaffs Akustikgitarre und seine Stimme stehen klar im Vordergrund bei den zumeist bedächtigen Titeln.

Fazit: Vielversprechend.

Anspieltipps: Black and Blue, Shipyards, Orphans

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Riders Connection – Colour Me

Label: Hey!blau Records VÖ: 2015

Der Titel deutet es an: „Farbe“ ist das bestimmende Thema auf „Colour Me“, dem neuen Album der Berliner Combo Riders Connection. Die Buntheit repräsentiert dabei eine Vielzahl von Emotionen. Freude und Trauer, Liebe und Wut. Auch musikalisch gibt sich das Trio äußerst bunt und grenzüberschreitend: „Colour Me“ vereint auf zeh Tracks Reggae, Soul, afrikanische und lateinamerikanische Klänge, Folk und Blues miteinander. Und das noch äußerst geschickt dazu. Besonders: die eindrucksvolle Stimme des Sängers Philipp Ressel.

Fazit: Gelungene Scheibe.

Anspieltipps: Meetasaya, Ticks of the Clock

 

Ewian---We-Need-Monsters---(CD)

Ewian – We Need Monsters

Label: Timezone VÖ: 2015

Auf ihrem zweiten Album „We Need Monsters“ konzentrieren sich Ewian diesmal ganz auf sich selbst und verzichten auf Kollaborationen wie auf dem Vorgänger-Machwerk. Das Duo setzt aber ansonsten auf typische Ewian-Elemente: Verzerrte E-Piano-Klänge, bittersüßer Gesang und „Wall-of-Sound“-Gitarren hier,  sphärischer Shoegaze, Noise-Rock-Fragmente, Post-Rock und Indie-Hooks dort. Thematisch wird’s dann etwas kopflastig: Es geht um die Projektion als psychologischen Abwehrmechanismus.

Fazit: Reinhören!

Anspieltipps: Ticket from Kingdom Come
BACKKATALOG

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Paul McCartney – Tug of War/Pipes of Peace

Label: Universal Music VÖ: 2015 (1982/1983)

Die Achtziger Jahre genießen gemeinhin nicht den besten Ruf. Klar, die eine oder andere Geschmacksverirrung geht aufs Konto dieses verrückten Jahrzehnts, aber es sind doch auch einige Perlen entstanden. Enter Paul McCartney. Der erlebte in dieser Zeit mal wieder seinen x-ten Frühling und kredenzte seinen Fans einige Schätze. Kann man jetzt mal wieder nachhören: Die Paul-McCartney-Archive-Collection-Reihe geht nämlich in die nächste Runde. MPL und die Concord Music Group hauen nun Re-Releases der beiden Albumklassiker „Tug of War“ und „Pipes of Peace“ raus, die neben den regulären Tracks auch mit einigen Extra-Features aufwarten, darunter neue Remixe, Demo-Versionen, Videomaterial und bisher unveröffentlichte Titel.  „Tug of War“ erschien 1982 und war Pauls erstes Album nach dem Split von den Wings und sein drittes Solo-Album insgesamt. Bei seiner Veröffentlichung wurde es von der New York Times als “handwerklich perfekt” und vom Rolling Stone als “Meisterwerk” bejubelt und schaffte es in neun Ländern auf Platz eins der Albumcharts. „Tug Of War“ brachte mehrere Evergreens hervor, darunter auch “Ebony and Ivory” (ein Duett mit Stevie Wonder),  “Take It Away”, und natürlich das auch heute noch gern von Paul gespielte “Here Today” – eine Musik gewordenes Gespräch, wie Paul es mit dem verstorbenen John Lennon führen würde. Auch Pauls viertes Soloalbum „Pipes of Peace“ erreichte Platinstatus und setzte damit die Erfolgsserie fort, die die frühen 80er Jahre für den früheren Pilzkopf prägte. Neben dem Titelsong wurde von dem Album auch “Say Say Say”, das Duett mit Michael Jackson, als Single veröffentlicht. Klare Sache, war ein Chartstürmer. Wie schon bei den jeweils mit einem Grammy gewürdigten Archive-Editions von „Band On The Run“ und „Wings Over America“ hat McCartney auch diesmal den gesamten Entstehungsprozess der Neuauflagen in den unterschiedlichen Formaten persönlich begleitet. Hat sich gelohnt, wie wir finden.

Fazit: Jede Menge Goodies. Nicht nur für Fans geeignet.

Anspieltipps: Wanderlust, Here Today, Ebony and Ivory, Say Say Say, Simple As That, The Other Me

 

tracey

Tracey Thorn – Solo: Songs and Collaborations: 1982-2015

Label: Caroline VÖ: 2015

Ihre Stimme gehört zum festen Inventar des Musikgeschäfts seit den Achtziger Jahren – und doch hat sie das ganze Pop-Star-Spiel nie so wirklich mitgespielt: Tracey Thorn. Die Britin, die die meisten wohl aus ihrer Zeit bei Everything But The Girl kennen, hat es sich also redlich verdient, mal ein Best-Of rauszuhauen. Allerdings möchte die Gute die vorliegende Doppel-CD dann doch lieber nicht so nennen: „Dieses Album wurde bewusst nicht als ‚The Best Of Tracey Thorn‘ betitelt“, sagt sie selbst über das Album. „Viele denken wahrscheinlich, meine interessantesten Zeiten waren die mit Everything But The Girl oder The Marine Girls und dass diese Arbeiten definitiv auf dem Album zu finden sein sollten.“ Aber die Geschichte, die hier erzählt werden soll, ist die, die sich mit einem einfachen Wort beschreiben lässt: Solo. Das Album zeichnet eine facettenreiche Karriere nach. Ein fast perfekter Showcase, der Tracey Thorns Platz als eine der einflussreichsten Songwriterinnen des United Kingdoms untermauert. Einziger Makel: Die jüngste Kollaboration mit John Grant fehlt leider.

Fazit: Würdige Song-Sammlung, die einen Überblick über die Karriere einer großartigen Künstlerin gibt.

Anspieltipps: Protection, Better Things (jeweils mit Massive Attack), Sister Winter (feat. Sufjan Stevens)

 

louisan

Annett Louisan – Song Poeten.

Label: Sony Music VÖ: 2015

Sechs Alben hat Annett Louisan seit 2004 aufgenommen, sie hat Gold- und Platin-Auszeichnungen wie Briefmarken gesammelt, Preise eingeheimst und ist eine der erfolgreichsten deutschen Sängerinnen der Gegenwart. Für die vom „Literatur Spiegel“ neu initiierte CD-Reihe „Song Poeten.“ hat Louisan nun als erste Interpretin ihre – ihrer Meinung nach – besten poetischen Songs für eine Best-Of-Kompilation zusammengestellt. Entstanden ist dadurch ein persönliches Album, das mit einem detailverliebten Artwork-Design und pointierten Texten der Spiegel-Redaktion im hochwertigen Bucheinband präsentiert wird. Unter den 15 Songs befindet sich auch eine neue Akustik-Version von „Du fehlst mir so“, die Annett Louisan für „Song Poeten.“ aufgenommen hat. „Manche der Lieder hatte ich ewig nicht gehört, als ich die ‚Song Poeten.‘ zusammenstellte. Für mich gab es sie nur noch als Live-Version, die sich aber von der Studio-Aufnahme entfernt hat. Deshalb musste ich die Stücke alle nochmal neu hören. Ich wollte bei den „Song Poeten.“ nicht für musikalische Abwechslung sorgen, sondern, im Gegenteil, homogen bleiben und Lieder hintereinander zu stellen, die sich gegenseitig anfassen. Denn alle zusammen sind sie ein großer Song.“

Fazit: Für Louisan-Einsteiger.

Anspieltipps: Du fehlst mir so (Akustik-Version)