2013: A Year in Review

 

Das Jahr 2013 neigt sich dem Ende zu. Damit einher geht die Frage, wofür dieses Jahr eigentlich stand. Was bleibt hängen? Die Neon-Ghosts-Redaktion blickt zurück.

Der große musikalische Paukenschlag setzt gleich zu Beginn des Jahres ein. David Bowie ist nach zehn Jahren Pause wieder da! Und der Altmeister beweist sogleich, dass er die Kunst der Inszenierung immer noch beherrscht. Die Single „Where Are We Now?“ erscheint wie aus dem Nichts, plötzlich war sie einfach da, erst auf YouTube, dann auf Itunes. Ohne große Vorankündigung. Das kurz darauf folgende Album „The Next Day“ erklimmt in mehreren Ländern die Spitze der Charts.

Und sonst so? 2013 war letztlich vor allem das Jahr der großen und kleinen Comebacks. Fleetwood Mac gingen wieder auf Tour, Black Sabbath und Depeche Mode meldeten sich mal wieder, My Bloody Valentine, Arcade Fire und Lady Gaga ebenso. Paul McCartney, Nick Cave und auch Prefab Sprout gaben umjubelte Lebenszeichen von sich – und Daft Punk starteten mit „Random Access Memories“ und vor allem mit der Single „Get Lucky“ nicht nur ihr eigenes Comeback, sondern auch das des Disco-Sounds.

Gemeinsam hatten all diese Alben vor allem eines: einen großen Hype, viel Trara und großen medialen Zinnober. Die Marketingfritzen der Plattenfirmen legten sich 2013 also mal so richtig ins Zeug. Dem Werk wurde das nicht immer gerecht. Um viele der Platten wurde es dann doch schnell ruhig. Weniger ist oft mehr – das hatte Anfang des Jahres Bowie bewiesen.

Und irgendwie ist das der Eindruck, der von 2013 bleibt. Viel Lärm um wenig, die Verpackung zählte oft mehr als der Inhalt. Stilistisch ist 2013 kaum greifbar, kein Stil konnte sich so richtig durchsetzen und dem Jahr seinen Stempel aufdrücken. Disco, Indie, HipHop, Pop und Rock – alles mäanderte so nebeneinander her und vor sich hin. An was werden wir uns noch erinnern? Miley Cyrus schaffte es durch viel Zungeneinsatz und Auf-der-Bühne-Twerken mit Robin Thicke monatelang in den Schlagzeilen zu bleiben. Thicke wurde mit „Blurred Lines“ zum Sexisten des Jahres. Auch ein Erfolg.

Gut in Erinnerung wird uns hingegen Jake Bugg bleiben. Der junge Brite mit dem dylanesken Stil hat binnen der letzten zwölf Monate gleich zwei Alben von hoher Qualität veröffentlicht und uns damit begeistert. Und das ganz ohne Twerken und übertriebenen Zungeneinsatz.

Unsere Redaktion blickt zurück:

Benjamin Fiege

Song des Jahres: Da gibt es mehrere Anwärter. „Heaven“ von Depeche Mode lief lange bei mir rauf und runter, dann wurde mir das allerdings zu trist. Joy Wellboys „Lay Down Your Blade“, ein Überraschungsfund für mich, blieb mir auch lange im Ohr. Am Ende ist es aber „I’ll fall apart“ von Morcheeba geworden. Auch weil die Band das in Frankfurt so unglaublich geil performt hat.

Album des Jahres: „Head Up High“, ebenfalls von Morcheeba. Irgendwie war die Band ja schon totgesagt, aber dass sie immer noch quicklebendig ist, hat sie mit ihren letzten beiden Alben bewiesen. Skye ist immer noch wundervoll. Honigsüße Stimme. Gerne weiter mehr davon.

Film des Jahres: Ganz klar, die Antwort lautet hier „Django Unchained“. Tarantino at his best. Wobei man natürlich sagen muss, dass der Film auch ganz klar von Christoph Waltz lebt, dem MVP des Streifens. Und vielleicht auch von dem Kurz-Comeback von Mr. Miami Vice, Don Johnson. Allerdings weiß auch Leonardo DiCaprio als Fiesling Spaß zu machen. Letzterer hatte ohnehin ein gutes Jahr. Sein „Gatsby“ schafft es in meinen Film-Charts 2013 auch auf einen ungefährdeten Platz zwei. Hm, aber „Nachtzug nach Lissabon“ war auch sehr gut. Ich denk noch mal nach …

Buch des Jahres: Aufmerksame Leser haben es sicherlich längst bemerkt: Der Fiege ist ein großer und auch ein bekennender Stephen-King-Fan. Wenig überraschend also, dass der Shining-Nachfolger „Doctor Sleep“ bei mir in diesem Jahr ganz oben in der persönlichen Hitliste steht. Allerdings war es zugegebenermaßen doch ein knappes Rennen, denn auch Joe Hills „Christmasland“ hat mir in diesem Jahr außerordentlich gut gefallen. Rezensiert hatten wir übrigens beide Bücher in diesem Jahr, siehe hier und hier.

Sandra Anika Elgaß

Song des Jahres: Mit dem Song „Rosanna“ hat uns Wax 2013 nicht nur einen Hit beschert, dessen fröhliche Melodie alles tut, was ein Sommersong tun muss (Füße wippen mit, Gemüt hellt sich auf, keiner hält den zweiten Refrain aus ohne mitzusingen). Dazu liefert er ein Video, das jeden zum Grinsen bringt. Anschauen.

Album des Jahres: Es gibt einen, der hat 2013 einen beispiellosen Coup gelandet. Einen, über den viele Künstlerkollegen sich lustig machten, der die jüngere Generation schon längst verloren zu haben schien. Doch dieses Jahr meldete er sich mit dem Album „Mit freundlichen Grüßen“ mit einem Arschtritt an jene zurück, die ihn auf die Schippe nahmen – und gewann damit die Jugend für sich: Die Rede ist von Heino, der schamlos Songs aus allen deutschen Musiksparten coverte. Und das, obwohl er stramm auf die 80 zugeht. Downloadrekord, Platz 1 der Albumcharts aus dem Stand und ein Auftritt mit Rammstein auf dem Wacken Festival: Heinz Georg Kramm alias Heino war 2013 die coolste Sau im deutschen Musikbusiness.

Buch des Jahres: Nee, ist mir auch klar: Es war der Film World War Z mit Brad Pitt, der 2013 erschien. Die Literaturvorlage „Operation Zombie“ von Max Brooks erschien in den USA bereits 2006. Weil ich das Buch aber 2013 erst gelesen habe, Zombiefan bin und der Film ein Hit wurde, schiebe ich euch die fiktiven Auszeichnungen eines Reporters, der nach der größten Katastrophe der Menschheit Überlebende nach ihrer Geschichte fragte, einfach als bestes Buch 2013 unter und empfehle es wärmstens.

Bester Film: Lange war ich nicht mehr in einem Horrorfilm, in dem das ganze Kino vor Angst geschrien hat. Und eigentlich kann man nicht so richtig erklären, warum das bei „Conjuring“ so ist. Er erfindet das Genre nicht neu. Man hat die Special Effects sicher schon mal gesehen. Er arbeitet mit dem Zusatz „auf einer wahren Geschichte basierend“, Dunkelheitsgrusel, Spannungsbögen, Gänsehautmomenten und Schockszenen. Auch die Geschichte – Umzug einer unschuldigen Familie in ein Haus, in dem es spukt – ist weder neu noch irgendwie originell. Aber der Film kombiniert bekannte Horrorfilm-Kniffe auf innovative Weise und schafft es durch originellen Schnitt und Ton tatsächlich, den geneigten Horror-Fan an einigen Stellen noch zu überraschen.  Endlich wieder ein Geisterfilm, der nicht mit „mehr“ punkten will und es damit verkackt, sondern mit „anders“ punktet und Kinobesucher damit zum Schreien bringt.

Natalie Sudermann

Beste Filme: „Silver Linings“ – Romantische Komödie um zwei angebliche „Irre“, die beweist, dass die sogenannten „Normalen“ noch viel verrückter sind – skurril, optimistisch, klasse besetzt bis in die Nebenrollen. Auch wenn man zugeben muss: Den Oscar, den Jennifer Lawrence für ihre Rolle als emotional labile Tiffany erhalten hat, hätte sie eher für „Winter’s Bone“ verdient.
„Paulette“ – Nach „Ziemlich beste Freunde“ die nächste klasse Komödie aus Frankreich, mit Bernadette Lafont als biestige, politisch inkorrekte Rentnerin Paulette, die Haschcookies verkauft, weil die Sozialhilfe nicht für die Miete reicht. Schräg, bissig, bisweilen bösartig, aber verdammt lustig.
„Catching Fire“ – Eine Fortsetzung, die die großen Erwartungen, die der Vorgänger weckte, erfüllen konnte: mit einem Drehbuch, dass der Buchvorlage gerecht wird, einem noch besseren Ensemble, mit Action, Spannung und Dramatik, gespickt mit Gesellschafts- und Medienkritik. Wie gut, dass es schon 2014 mit Teil 3 weitergeht.
„Das Mädchen Wadjda“ – Der erste abendfüllende Spielfilm einer saudi-arabischen Regisseurin, gedreht unter schwierigen Umständen an Originalschauplätzen: Haifaa al-Mansour zeigt, was es heißt, als Frau in Saudi-Arabien zu leben. In den Mittelpunkt rückt sie normale Mädchen und Frauen, die weder Opfer – trotz aller Einschränkungen – noch Revolutionärinnen sind. Ein Film, der nicht anklagt, sondern die Bewertung dem Zuschauer überlässt und ihn nachdenklich macht.
Bester Song: Ed Sheeran – „I See Fire“. Weil der Titel-Song zu „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ das schafft, was dem Film nicht gelingen will: Gänsehaut von der ersten bis zur letzten Sekunde. Mit seiner ersten Single seit fast zwei Jahren beweist der junge Brite, warum er zu Recht für einen Grammy als „Best New Artist“ nominiert ist, und sorgt für Vorfreude auf sein zweites Studioalbum, das 2014 erscheinen soll.
Bestes Album: The Script – #3. Musik für Kopf, Herz und Füße – das wollten The Script mit ihrem dritten Album schaffen. Das ist den drei Iren gelungen. Ein Album, das zwar nicht ganz an die beiden Vorgänger heranreicht, aber mit jedem Anhören besser wird. Mit gut gemachtem Pop, gemischt mit einem Schuss Rap, flotten Ohrwürmern und berührenden Lyrics, in der Deluxe-Version garniert mit zwei zusätzlichen Songs und Live-Aufnahmen von „The Man Can’t Be Moved“ und „Breakeven“, können The Script einmal mehr überzeugen.
„The Civil Wars“ – War ihr zweites Album bereits ihre letzte Schlacht? Seit August gehen Joy Williams und John Paul White alias „The Civil Wars“ getrennte Wege. Da scheint es passend, dass die „Scheidungsplatte“ des Folk-Country-Duos düsterer und emotionaler daherkommt als ihr Vorgänger „Barton Hollow“: bittersüß, melancholisch, grimmig, launisch, eindringlich – so klingt Trennungsschmerz.

Julia Plantz

Bester Film: Hai-Alarm am Müggelsee. Und nicht (nur), weil es neben „Die Tribute von Panem“ (eher so mittel) der einzige Film war, den ich dieses Jahr im Kino gesehen haben. Sondern, weil ich ein Fan von Arbeitskreisen, Mundharmonikaspielern und griechischen Restaurants bin. Auf Friedrichshagen!

Bestes Buch: Martin Suter, Allmen und die Dahlien. Dritter Teil der Reihe um den sehr vornehmen Privatdetektiv Johann Friedrich von Allmen. Allmen ist chronisch pleite, nimmt das aber nicht zum Anlass, seinen extravaganten Lebensstil aufzugeben. Nach einem leichten Abendessen, zubereitet von Diener Carlos, lässt er sich gerne vom privaten Chauffeurservice zur Oper fahren. Um das einigermaßen zu finanzieren, muss er sich als Schnüffler verdingen. Von Suter ist alles uneingeschränkt zu empfehlen, wenn man auf langsames Erzählen, wenig Handlung und auf die Schweiz steht. Ich tu’s. Toll ist auch, dass viele Suter-Figuren unfassbar reich und vornehm sind: „Er besaß vierzehn Pyjamas, alle von seinem Hemdenmacher, alle mit Monogramm, sechs hellblaue für die geraden Tage, sechs blauweiß gestreifte für die ungeraden, zwei weiße für die Sonntage.“ (Der letzte Weynfeldt)

Kurz und knackig

Lin Franca Brylla

Song des Jahres: Woodkid – „I love you“

Album des Jahres: Depeche Mode – „Delta Machine“, ganz dicht gefolgt von Cold War Kids – „Dear Miss Lonelyhearts“

Film des Jahres: The Broken Circle

Buch des Jahres: „Atlas eines ängstlichen Mannes“ Christoph Ransmayr

 

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